Wir haben tatsaechlich das Atomkraftwerk Marke Tschernobyl ueberlegt. Bis jetzt zumindest! Sind vor einer Stunde wieder in Vilnius gelandet.
Frueh um acht sollte es vor der Uni losgehen, woraus natuerlich nichts wurde, weil die Protugiesenriege erst halb neun gemuetlich eintrudelte (nur nicht hetzen!). Bis Ignalina haben wir dann ungefaehr zwei Stunden gebraucht: Mit einem franzoesischen Bus aus den 70er Jahren auf voellig vermatschten Strassen! Als wir dann am Atomkraftwerk ankamen, ging der Spass erst richtig los. Die wollten von uns gestern schon unsere Pass-Nummer haben und alle, die die nicht rechtzeitig abgegeben hatten, durften nicht rein, sondern mussten draussen warten. Unsere Paesse wurden kontrolliert, unsere Taschen wurden uns abgenommen und wir wurden von missmustig ausshenden Russen (da gab es nur Russen, hab ueberhaupt keine Litauer gesehen) durch eine Kontrollschleuse gescheucht. Danach ging es durch noch zwei codegeschuetzte Gates, die man nur mit Ausweis oeffnen konnte. Als wir dann endlich drin waren. Mussten wir uns unsere Klamotten fast gaenzlich entledigen, andere Sochen anziehen und darueber Schuhe. Dann ging es ins naechste Zimmer, wo man wieder die Schuhe wechselte. In Zimmer Nummer drei wechselte man nochmal die Schuhe (!), zog sich einen Arztkittel ueber, stuelpte sich ein Schwesternmuetzchen ueber den Kopf und darueber einen gelben Bauhelm. Mit der sehr sinnigen Belehrung "Don't touch anything" ging es Treppen hinauf und hinunter. Vorbei an irgendwelchen Lecks, aus denen an der Decke etwas tropfte. Vorbei an einer Baustelle, wo man ueber nassen Beton musste mitten in den Raum mit dem Reaktor (zwei gibt es davon dort). War nicht wirklich spektakulaer. Eine riesige Halle und in der Mitte ein runder Kreis in dem lauter kleine Vierecke abgetrennt sind. Das sind die Brennstaebe (keine Ahnung von der deutschen Uebersetzung). Auf die Frage, was mit dem Atommuell passiert, antwortete die entnervte und gelangweilte Fuehrering, dass es eine Art Muellkueppe dafuer auf dem Gelaende gaebe, wo man so einen Castor 50 Jahre lagern kann. Was danach kommt, weiss keiner. Sehr vertrauenerweckend!
Ich habe keine Ahnung, ob ich vielleicht jetzt nachs gruen strahle, denn ich habe mich dort ueberhaupt nicht gut aufgehoben gefuehlt. Muss an den Russen gelegen haben. Alles sah einfach vernachlaessigt und verschlampt aus. In einem Atomkraftwerk!!! Zu guter letzt durften wir dann noch in der betriebseigenen Cafeteria essen und ich dachte, ich bin wieder 9. Soviel Ostcharme habe ich schon lange nicht mehr gesehen!
Die Rueckfahrt war dann noch abenteuerlicher als die Hinfahrt. Was wohl hauptsaechlich daran, lag, dass der Busfahrer seinen Flachmann fast alle gemacht hatte. Und in der Flasche wird wohl kaum heisser Tee gewesen sein! Man kann hier einfach nirgends mitfahren ohne sein Leben zu riskieren!!!