9/29/2001

Der Postbote war heute sehr nett zu mir: Ein Brief von meiner Mom (enthielt nur Formulare), eine Karte von und ein Brief von Nicole (das duerfte hoffentlich Deine Frage beantworten, was schneller ist!), ein Brief von Monja und eine Karte von Christina. Es gibt einen Gott (ich bin immer noch Atheist...)!

Bei uns kehrt tatsaechlich der Studienalltag ein. Wir frieren ununterbrochen und lesen wie die Wilden irgendwelche Texte. Wenn wir nicht gerade drei Seiten Litauischhausafgaben aufhaben. Ich kann die Sprache einfach nicht ernstnehmen. Das klingt, wie bei einem Indianerfilm abgeschaut. Wie Apachensprache oder sowas!

Heute haben wir mal eine Museumstour gemacht. Eigentlich wollten wir endlich mal nach Trakai, aber das Wetter hat kurzfristig nicht mehr mitgespielt. Also haben wir uns das Fruehgeschichtemuseum und das Museum fuer Angewandte Kunst angesehen. Letzteres hat nur Kirchenkunst, deshalb finde ich den Namen etwas irrefuehrend. Ausserdem waren wir noch Chinesisch essen:))) Die Italiener waren naemlich alle voll und selber kochen koennen wir immer noch nicht. Magda und Martha haben sich gestern unserer erbarmt und haben uns bekocht:)))

Wir haben uns uebrigens was ausgedacht. Da unsere Litauisch Professorin doch so nett zu uns ist (sie war die, die uns eine nagelneue Bratpfanne geschenkt hat), wollten wir ihr was schenken. Natuerlich haben wir noch einige Topfpflanzen uebrig, aber das ist etwas langweilig. Ihr Steckenpferd ist naemlich die Kinderbibliothek, die im Haus ihrer Eltern mit litauischen und englischen Buechern eingerichtet ist. Also haben wir uns gedacht, wir eroeffnen einen deutschen Zweig dieser Bibliothek und schenken ihr einen Stapel deutscher Kinderbuecher. Davon muessten wir ein paar zumindest entbehren koennen. Falls jemand mitspenden will, immer her damit. Darueber freut sie sich unter Garantie!!

9/25/2001

Nur noch ganz fix: Herzliche Gruesse an Milan, meinen Retter in der Not. Gleich ZWEI Briefe sind gestern angekommen und retteten meinen Tag. Du darfst also schnellstens mit Post rechnen!

Also Sabine, halt Dich ran. Und fuehl Dich hiermit offiziell an die Bilder von der Tattoo Convention erinnert *g*!
Ich bin unglaublich durchgefroren. Und das passiert hier dauernd! Wir hatten hier eben litauische Geschichte in einem Raum, in dem zwar neue Fenster sind - diese stehen aber immer sperrangeweit offen. Nun sehe ich foermlich meine Mutter vor mir, die mir raet, ich unpraktischer Dussel solle sie doch einfach schliessen. Gute Idee, hatten wir auch schon. Nur klappen die Fenster nach oben und selbst, wenn man auf dem Fensterbrett steht, kommt man nicht ran. Prima Konstruktion. Und die Aussentemperatur lag heute erst bei 12 Grad. Es wird also noch lange nicht geheizt. Es ist wirklich winterlich heute.

Ich glaube aber, ich sollte noch eine kleine Erklaerung zu der Geschichte mit der Quelle abgeben: Das Wasser, das hier aus der Leitung kommt, ist widerlich. Es stinkt, was ich seltsamerweise schon nicht mehr rieche und ist rot. Die Rohre sind wahrscheinlich total hinueber. Wenn man Spagetti damit kochen will und so mutig ist, Leitungswasser in den Topf zu giessen, ueberlegt man es sich bei dem Anblick roter Bruehe wahrscheinlich doch noch anders. Darum gibt es in allen Supermaerkten 5Liter Flaschen Wasser. Und wir hatten eben jene Quelle ausfindig gemacht, an der es wirklich klares Wasser gibt. Denn seit wir einen Wasserkocher haben, ist unser Bedarf steandig gestiegen! Darum eben die Wanderung zu der Quelle. 3DM haben wir damit gespart. Laecherlich. Aber ich glaube, wir waren zumindest typisch litauisch, denn die Schlange an der Quelle war sehr lang.

Nun zu unserem Wochenende. Wir haben uns wirklich touristisch benommen. Wir sind zu fuenft (Julia, Bianca, Katha, Corinna und ich) mit Kathas Autos zum Europos Parkas gefahren. Zumindest wollten wir das anfaenglich. Denn zuerst haben wir nicht einmal aus der Stadt herausgefunden. Die Ausschilderungen hier kann man vergessen. Strassen sind im Zentrum recht gut ausgeschildert, das sieht man ja in Deutschland eigentlich nicht. Dafuer ist die Ausschilderung von Strassen einfach mies. Wir verfuhren uns daher absichtlich auf die A2, um spaeter auf die richtige Strasse zu stossen. Das klappte auch. Der Weg zum Europos Parkas ist mit nichts zu vergleichen. Solche Schlagloecher habe ich mein ganzes Leben lang noch nicht gesehen. Wir rechneten staendig damit, voellig falsch zu sein und verloren zu gehen, bis wir und urploetzlich vor dem Eingang wiederfanden. Dort wurde wirklich eine wunderbare Touristenabzocke hingebaut. 8Lt Eintritt (fuer Studenten), 4Lt Parkgebuehr, 2Lt ein Lageplan, 4Lt Fotoerlaubnis (die man nicht braucht, da sie nicht kontrolliert wird). Und das Restaurant sowie der Shop waren doppelt so teuer wie selbst in der Haupstadt. Dafuer war der Park aber wirklich schoen. Es finden sich dort verteilt auf die ganze Flaeche an die 70 Skulpturen internationaler Kuenstler und es war wirklich ein Vergnuegen, sich das alles anzusehen. Wenn mir auch nicht aufgegangen ist, wo bei den Skulpturen der Zusammenhang zur Vision Europas bestand.

Als es schon um fuenf war (halb sieben wird es dunkel) machten wir uns auf den Weg zum Zentrum Europas. Nach endlosem Suchen (und nachdem uns mein Reisefuehrer in das total falsche Dorf gefuehrt hatte), fanden wir dann tatsaechlich das Feld und den Stein und stoerten dazu auch noch ein daneben parkendes Paerchen. Sollen sie sich eben einen anderen Ort zum Knutschen suchen, so idyllisch war es da nun auch nicht:)))) Im Ganzen war das nicht wirklich beeindruckend, aber ich denke, man sollte es zumindest gesehen haben, wenn man schon nur eine halbe Stunde davon weg wohnt. Im Uebrigen behaupten auch die Polen, einen Mittelpunkt zu haben. Ob wir wirklich an der richtigen Stelle waren, ist also noch fraglich.

9/22/2001

Es ist komisch: Vilnius kommt mir nicht wirklich wie eine Hauptstadt vor (verglichen z.B. mit Berlin). Zum Beispiel waren wir gerade an einer 2km entfernten Quelle mit unserem Wasserflaschen Wasser holen. Denn das Wasser, das hier aus der Leitung kommt, ist einfach widerlich. Saemtliche weisse Sachen, die ich gewaschen habe, haben rote Striemen bekommen. Wovon wohl... Also definitiv kein Trinkwasser. Trotzdem, wenn man so mit 10Litern Wasser bepackt durch die litauische Einoede spaziert, kommt man sich nicht wie in einer Hauptstadt vor. Und dass, obwohl man erst gestern im Stadtzentrum "Aida" gesehen hat. Und zwar umsonst. Und im Stehen. Und wir hatten natuerlich auch keine Ahnung, worum es eigentlich ging, weil wir das litauische Programm nicht lesen konnte. Nichtsdestotrotz war es wunderbar!!! Einfach unvergesslich. Und danach waren wir voellig erledigt. Schliesslich hatten wir drei Stunden gestanden!

Ausserdem sind wir auch wichtig. Ich habe bestimmt schon von der Professorin in "Canadian Literature" geschrieben. Sie ist ungemein nett und fragte uns letzte Woche, ob wir irgendwas braeuchten. Daraufhin brachte sie uns diese Woche eine Bratpfanne (eine nagelneue!) und ein Poster von Trakai mit. Was soll man da noch sagen! Und sie macht dauernd Werbung fuer die Kinderbibliothek, die sich in dem ehemaligen Haus ihrer Eltern befindet. Dafuer engagiert sie sich wohl sehr stark. Deshalb haben wir beschlossen, wenn wir zu Hause sind, ein paar Kinderbuecher zu organisieren und ihr zu schenken. Aber jetzt das eigentlich Wichtige: Am 6.10. ist dort eine internationale Konferenz (oder Colloquium, wie es so schoen heisst), bei der lauter kanadische Groessen (wie z.B. der Botschafter) und natuerlich Wissenschaftler aus aller Herren Laender kommen werden. Und wir waren erst einfach nur eingeladen. Jetzt sind wir schon dazu abgestellt, die Gaeste im Kanada-Raum zu begruessen, sie herumzufuehren, ihnen eine Mappe zu geben und freundlich zu laecheln. Ausserdem gibt es ununterbrochen Kaffee, Tee und Plaetzchen und abends noch einen Empfang. Definitiv ein Anlass umd meine 200DM Schuhe anzuziehen!!

Und zuallerletzt habe ich auch herausgefunden, wann hier die Heizung angestellt wird: Naemlich erst, wenn die Temperatur drei Tage hintereinander unter 8Grad faellt. Halleluja! Gott sei Dank haben wir unseren Heizluefter!!!

9/18/2001

Ich habe uebrigens eine ziemlich sinnlose litauische email Adresse von der Uni bekommen. Damit kann man sich an Steinzeitcomputern auf der DOS Ebene ins Telnet einloggen und absolut unkomfortabel emails versenden. Wahrscheinlich werde ich selbige Adresse nur in hoechsten Notfaellen verwenden, da ich Telnet noch nie leiden konnte. Aber nennen wir es Sammlerleidenschaft (ich weiss schon gar nicht mehr, wieviele email-Adressen ich eigentlich habe): michaela.dittrich@flf.vu.lt.
Hier waere dann also mein Stundenplan. Ich habe das Gefuehl, dass es noch nicht die Endfassung ist, aber mit dem Plan werden wir uns jetzt erstmal eine Weile rumaergern.

Montag
10.00-12.00 Russisch (Lektuere)
14.00-16.00 Deutsche Literatur

Dienstag
8.30-10.00 Lithuanian History (Old History)
12.00-14.00 English Literary History (Lecture)
14.00-16.00 English Literary History (Seminar)
17.30-19.00 Celtic Mythology

Mittwoch
10.00-12.00 Russisch (Grammatik)

Donnerstag
12.00-14.00 Litauisch
14.00-16.00 Canadian Culture: Literature

Freitag
8.30-10.00 Lithuanian History 1918-1990
10.00-12.00 Russisch (Konversation)
12.00-14.00 Litauisch

Man bemerke, dass es an dieser Uni keine Mittagspause gibt.

Im uebrigen ist mit Litauisch genau das eingetreten, was ich mir gedacht habe. Nach zwei Wochen, nachdem alle Vorlesungen stehen, kommt das Litauisch Lektorat und knallt einem drei Termine vor die Nase. Und zu den Zeiten soll man dann koennen. Kann man natuerlich nicht. Wir muessen die Dienstags-Litauisch Stunde ausfallen lassen, weil wir das die Englisch VL haben. Und es ist mir lieber, da einen Schein zu machen, den ich zu Hause wahrscheinlich ohne groessere Schwierigkeiten anerkannt kriege, als mich durch Litauisch zu kaempfen, dass bei uns natuerlich nicht als Sprache anerkannt wird... Und da die Dozentin nicht faehig war, einen anderen Termin zu nennen (O Ton: "I'm sorry, I don't know what to do."), muessen wir einfach den einen Termin ausfallen lassen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass wir so mit dem Stoff hinterherkommen...

9/16/2001

Okay, da es verlangt wurde, hier noch schnell eine Liste der Dramatis Personae. Wieviele Leute in unserem Haus wohnen, weiss ich nicht. Es hat vier Stockwerke, denke ich. Und der erste ist der beste, weil neueste, sagt man uns dauernd. Und im ersten Stock wohnen auch die nettesten Leute *g*, naemlich:

Die Deutschen:
Katharina (Katha): Wohnt nebenan und beschallt unser Zimmer, wenn sie unseren Wasserkocher benutzen kann. Kommt aus der Naehe von Chemnitz und studiert in Bamberg.

Bianca: Der Quotenwessi;))) Auch aus Bamberg und fuer die Ausgestaltung des Flurs verantwortlich.

Julia: Die Berliner Schnauze. Studiert auch sowas wie Kuwi und hat einen Musikerfreund *wow*.

Der Rest:
Raquel: Spanien, studiert Journalistik und hat sich gestern beim Araber den Magen verdorben.

Guido:Sagt wohl schon der Name. Italiener.

Laura: Finnin, Party Girl

Jayde: Amerika. Sitzt gerade neben mir *schiel*. Taucht immer auf, wenn man es nicht erwartet und redet auch gern mal deutsch.

Vincent: Der Franzose, der schon ueber ein Jahr hier uns und jeden mit den Worten empfaengt, dass er dieses Wohnheim liebt. Zum Glueck haut er bald ab!

Magda und Martha: Zwei Portugisinnen, die ihre Abschlussarbeit ueber Vilnius schreiben und fuer die wir dann Touristen spielen sollen. Sie sind die einzigen, die wirklich kochen koennen:)))

Tomokazu: Japan. Isst dauernd Reis und sagt kaum was.

Constantino: Ist wohl aus Weissrussland, aber ich habe ihn erst einmal gesehen. Man hoert ihn auch nicht. Verdaechtig!
Irgendwie enden wir immer hier... diesmal aber unbeabsichtigt. Wir hatten uns vorgenommen, heute in die Messe zu gehen, rechneten aber halb damit, zu verschlafen. Da ich aber kurz nach neun einen Anruf bekam, galt Verschlafen als Entschuldigung nicht mehr. Also machten wir uns auf den Weg in die Kathedrale. Sonntags ist dort um acht, um neun, um zehn, um Viertel elf und um halb eins Messe. Wir haben es gerade noch zur letzten geschafft. In der Predigt ging es um die Ereignisse in Amerika, soviel habe ich immerhin verstanden. Die Kirche ist dort immer packend voll. Die Leute stehen in den Gaengen (wir auch) und beten ihre Rosenkraenze. Mittendrin wurde mir dann so schwindlig, dass wir rausgehen mussten. Da ich nicht annehme, vom heiligen Geist beruehrt worden zu sein, vermute ich, es war eher die abgestandene Luft.

Aber es war wirklich ein Erlebnis, vor allem der Chor. Schliesslich habe ich noch nie eine katholische Messe mitgemacht. Eventuell gehen wir mal in einen englischsprachigen Gottesdienst, weil eine Litauerin, die uns zum Markt gefahren hatte, dort im Chor singt. In dieser Kirche werden wohl hauptsaechlich Gottesdienste fuer Botschafter und sonstige Auslaender abgehalten.

Noch was Erfreuliches: Ich habe Schuhe gekauft. Und die werde ich gleich heute abend anziehen, denn eine Freundin von Dalia spielt in irgendeinem Cafe heute abend klassische Musik (Dalia selbst hat einen Abschluss in Klavier und Orgel). Und da man sich an die ganzen litauischen Fashion-Monster irgendwie anpassen muss, werde ich mal die neuen Stiefel eintragen. Ich hoffe, ich habe mir nicht schon die Beine gebrochen, bevor ich in den Bus steige, denn die Treppen bei uns in Kamtaschtka sehen aus wie selbstgemacht.

9/15/2001

Es ist wieder Samstag und wir haben nichts zu tun. Da auf dem Rathausplatz eine Art Fest stattfindet, haben wir beschlossen, in die Stadt zu fahren. Es gibt dort massenhaft Buden, Keramik, Schnitzkunst, leckere Backwaren (Baumkuchen *lecker*), einen wunderschoenen Erlebnisspielplatz aus Holz und viel zum Anschauen. Vielleicht finden wir ja noch das eine oder andere Geschenk...

Ich habe mir uebrigens schon eine Erkaeltung eingefangen. Kein Wunder. Es ist kalt, es ist windig, es ist verregnet und wenn es das alles mal nicht ist, ist es wunderbar warm. Zum Ausrasten!!! Und an der Uni ist es eiskalt. Im Winter muss mal dort wohl mit Handschuhen rumsitzen. Darauf freue ich mich ja schon riesig...

9/12/2001

Schon wieder im i-net Cafe. Diesmal direkt in Kamtaschka, ist alles ziemlich langsam hier. Aber wir wollten ja auch etwas mehr ueber Amerika herausfinden. Wenn Julia das nicht gestern abend erzaehlt haette, wuessten wir hier von nichts! Es ist unglaublich. Wir haben kein Fernsehen, nur litauisches Radio, keine Zeitung. Gut, dass Katharina gestern eine SMS mit dem Wortlaut "Watch TV" bekommen hat... Wir haben den ganzen Abend eigentlich nur herumgehangen und spekuliert. Mal sehen, ob es schon was Neues gibt.

Ansonsten sind wir hauptsaechlich damit beschaeftigt, an der Uni Raeume zu finden. Es ist furchtbar. Da die Uni aus dem Mittelalter ist, muss man mit Logik nicht rangehen... Gestern haben wir die 116 gesucht. Die 118 und die 115 hatten wir und nahmen an, die 116 muesse sich irgendwo dazwischen befinden. Aber nichts dergleichen. Die 116 ist in einem voellig anderen Gebaeude, an einem Zimmer, an dem 88 dransteht. Wir kommen grundsaetzlich zu spaet, weil wir uns immer erst durchfragen muessen. Und zu allem Ueberfluss wissen selbst die Studenten nicht, wo sich die Raeume befinden. Fragen hilft also auch nur in den seltensten Faellen weiter!

Wir haben beschlossen, heute mal zu waschen. Langsam geht uns naemlich die Unterwaesche aus. Die Waescheleine ist ja schon seit Tagen mitten durch unser Zimmer gespannt, jetzt sollten wir sie mal nutzen!!!

9/11/2001

Ich bin noch nicht mal zwei Wochen hier und schon verabscheue ich das Wetter zutiefst. Ich meine, in irgendeinem Reisefuehrer gelesen zu haben, dass sich Lietuva von "Regen" ableitet. Eine weise Schlussfolgerung. Das Wetter ist hier so wechselhaft, dass es einen wahnsinnig macht. Ich bin in den letzten paar Tagen so oft nass geworden, dass es schon nicht mehr normal ist. Und dazu dieser Wind! Es ist nicht einmal besonders kalt; nur eben sehr windig. Praktischerweise reibt dann immer ein Ast an unserem Fenster, weswegen wir schon ueberlegen, ob ich nicht mal den Camcorder mitnehmen sollen. Dann koennen wir einen Horrorfilm drehen. An der Uni ist es so unuebersichtlich, dass sich als Vorlage "Blair Witch" eignen wuerde *g*.

Wir haben scheinbar als einzige schon richtige Vorlesungen. Alle anderen haengen rum und pennen bis Mittag. Ausserdem sind sie neidisch auf unseren ausgefuellten Tagesplan. Es ist witzig... Ich werde mal einen richtigen "Stundenplan" zusammenstellen, wenn ich alles zusammenhabe. Es fehlt immernoch Lituausch, da treffen wir uns ja erst naechsten Montag wieder und einigen uns dann auf einen Termin. Don't stress...

Am Sonntag waren wir auf einem riesigen Markt. Sah aus wie in Polen, nur eben zigmal so gross. Es war windig und es war kalt, also haben wir Socken gekauft! Und ein Weihnachtsgeschenk, aber das verrate ich nicht. Ist hochgeheim! Ansonsten steht auf unserer Anschaffungsliste folgendes:

Heizluefter
Wasserkocher (Gott sei Dank!)
Tapete (Mom: falls Du was renovieren willst, sag Bescheid, Tapete ist hier spottbillig!)
Zwei Topfpflanzen, John und Yoko
Waescheleine und Waschpulver (Persil, haha)

Was uns noch fehlt: Poster. Die Waende sind viel zu kahl!!! Es duerfen sich also alle aufgefordert fuehlen, uns Poster zu schicken. Da ist noch viel Platz.

Ich hab gestern festgestellt, dass ich auf die Briefe zu wenig draufgeklebt habe. Ihr muesst also eventuell was nachzahlen (falls sie nicht sogar zurueckkommen, aber ich hoffe es nicht). Es fehlen 50 Centas, ungefaehr 20 Pfennig.

Hatte mir nicht jemand gesagt, ich solle mir Bridget Jones ansehen? Auftrag ausgfuehrt. War lustig, aber warum musste sie am Ende diesen Langweiler nehmen *frag*?

9/08/2001

Noch schnell: Sabines Synchron-Blog ist wieder da! Ich hab ihn schon vermisst. Mal sehen, wann der Rest der Seite wiederkommt...

Und tatsaechlich, nach einem halben Jahr koennen wir das bestimmt als olympische Disziplin anmelden:)))
Langsam stellt sich so etwas wie Normalitaet ein. Wir haben beschlossen, nun doch im Wohnheim zu bleiben und haben daher angefangen, uns wohnlich einzurichten. Auf mein Konto moechte ich gar nicht schauen - wir haben einen Heizluefter gekauft, einen Wasserkocher. Wir brauchen noch Waescheleine, am liebsten Teppich, Geschenkpapier, um die Moebel zu verkleiden, eine Topfplanze. Und wenn wir eine Gardinenstange haetten - aber das Glueck ist uns ja nicht zuteil geworden!

Im Laufe des Tages wird Katharina in unser freies Zimmer einziehen (denn wir beide haben uns ja in nur einem niedergelassen, obwohl uns zwei zur Verfuegung stehen). Wird bestimmt witzig. Sie ist urspruenglich aus Chemnitz und studiert jetzt aber in Bamberg. Ihr Kichern kann man eigentlich ununterbrochen durch das ganze Wohnheim hoeren. Dann werden wir heute abend also noch ein paar Moebel ruecken, denn wir haben das leere Zimmer ziemlich vollgemuellt.

Morgen frueh geht es auf einen Markt, von dem schon schroekliche Dinge bekannt sind. Aber es soll alles geben. Vielleicht finden wir ja ein paar billige Kuechenutensilien, denn als wir gestern vier Stunden die Kueche geputzt haben (zu sechst!), haben wir alle eklige Sachen rausgeraeumt. Ich will gar nicht erst beschreiben, wieviel Dreck wir rausgewischt haben. Das koennte einem den Appetit verderben!

A propos Appetit. Meine "Befuerchtung", ich koenne hier vom Fleische fallen, war voellig unbegruendet. Wir essen nur. Richtiges litauisches Essen habe ich noch nicht probiert, aber die Leckereien sind hier genau das: Naemlich lecker. Das haben wir schon festgestellt, als wir letzten Samstag an einem Baecker vorbeigekommen sind. Und gestern waren wir in einem Cafe. Dort gibt es heisse Schokolade, die wirklich nur aus geschmolzener Schokolade besteht. Ich glaube, wir werden dieses Cafe noch mehrmals heimsuchen. Eigentlich ist es ein Teegeschaeft und vielleicht kann ich etwas von den leckeren Plaetzchen (Anis-Plaetzchen habe ich gestern probiert) dort kaufen und mit nach Hause bringen!

Falls es jemanden interessiert: Wir studieren auch. Gestern hatten wir Russisch und vorgestern kanadische Literatur. War beides total witzig. Die Gruppen sind hier eigentlich noch kleiner als zu Hause, mal sehen, ob das bei den anderen Seminaren auch so ist. Und zu allem Ueberfluss haben wir gestern auch schon unsere erste Vorlesung verpasst. Total vergessen...

9/04/2001

Gestern wurde das Semester eroeffnet. Da wir zu spaet aus dem Wohnheim weggekommen sind, haben wir nur den Rest der Zeremonie mitbekommen. Was Julias Berichten zufolge so schrecklich auch nicht war, da es eine Ansprache nach der anderen gab (ist allein schon langweilig) und diese Ansprachen natuerlich auf Litauisch waren (*gaehn*). Das haette uns natuerlich nicht weitergeholfen.

Also sind wir zu Milda, die uns mit dem Worten: Gibt es Probleme? begruesste. Naja, wenn sie so fragt... Es haben sich wohl schon einige ueber die Wohnheime beschwert, weswegen sie leicht entnervt war. Etwas wirklich Neues hat sie uns auch nicht erzaehlt, da die Uni auf keinen Fall noch in dieser Woche los geht. Morgen ist das erste Treffen fuer den Litauisch Kurs (der ist auch schwer noetig!). Was mit allen anderen Vorlesungen ist, weiss Milda hoechstens naechste Woche. Wenn ueberhaupt. Wir sind also ueberraschend mit viel Freizeit gesegnet und wissen nichts damit anzufangen. Die meisten Museen haben heute zu, man kann auch nicht dauernd die Gottesdienste in den Kirchen stoeren, nur weil man einmal kurz durchlaufen will... Und den ganzen Tag im Wohnheim sitzen kann man schon gleich gar nicht! Die restlichen Deutschen haben eine Kuechen-Putz-Orgie vorgeschlagen. Keine schlechte Idee, denn dann kann man sie vielleicht auch mal benutzen! Man kann ja nicht endlos ist Restaurants essen!

A propos ich soll nicht so kritisch sein... Das Klo ist schon wieder kaputt. Zum dritten mal. Grrrr. Langsam ist es echt nicht mehr lustig!

Wir sehen uns heute noch das Mickiewicz-Haus an (falls wir es finden), damit Frau Trebisz auch stolz auf uns sein kann ;)))

9/02/2001

Da sind wir nun also. Die gute Nachricht zuerst: Vilnius ist als Stadt einfach atemberaubend. Die ganze Altstadt ist fast komplett restauriert, es gibt unzaehlige kleine Gassenn (durch die man nachts nicht alleine gehen sollte), viele Restaurants und Cafes, Museen, Kirchen und natuerlich Souvenierlaeden ohne Ende. Alle Daheimgebliebenen duerfen sich also zu Weihnachten auf Geschenke der folkloristischen Art freuen!

Wir haben sogar Glueck mit dem Wetter. Noch ist es sonnig und warm. Wenn die Sonne allerdings weg ist, wird es sofort eisig. Und windig. Aber wir scheinen es meist gut abzupassen. Gerade es wir den alten Burgberg besteigen wollten, kam die Sonne raus. Weswegen wir dann dort oben erstmal eine Stunde faul herumgesessen haben und in den blauen Himmel geschaut haben. So kann ich mir das Leben gefallen lassen!

Einen extra Tag muessen wir wahrscheinlich fuer die ganzen Kirchen einplanen. Es gibt eigentlich eine an jeder Ecke (und das ist keine Untertreibung). Die groesste, die Kathedrale, wollten wir uns eigentlich heute ansehen, sind dann aber in das Ende eines Gottesdienstes geraten. Solche Massenansammlungen sind mir unheimlich, aber es war trotzdem interessant: Da standen die Leute in einer langen Schlange an und warteten darauf, dass ihnen die Beichte abgenommen wird. Mitten im Kirchgang, ohne irgend eine Trennwand. Wenn wir also Litauisch koennten, koennten wir uns anhoeren, was die Leute hier so verbrochen haben...

Allerdings ist nicht alles so Friede Freude Eierkuchen. Die meisten Fotos haben wir verschossen, um unser Wohnheim zu dokumentieren (Nicole: Mein Slogan dafuer ist nur noch Home Sweet Hell!). Es hat was von nach dem Krieg, oder nach einem Bombeneinschlag. Ein Franzose, dem es dort scheinbar prima gefaellt (er ist schon zum zweiten mal da), meinte zu uns, man muesse es nur akzpetieren... Das haben wir uns nicht zu Herzen genommen. Wir wollen unbedingt was anderes finden. Einen Winter mit Minus 20 Grad in einem so zugigen und kalten Gemaeuer zuzubringen ist nicht gerade etwas, worauf ich mich freue. Ganz zu schweigen, dass die Luft ungefaehr so modrig ist wie in einer Gruft... Im uebrigen ist das Wohnheim mindestens 20 Minuten mit dem Bus vom Zentrum weg. Da wir wahrscheinlich wirklich in der schoenen alten Uni studieren werden (es gibt noch eine technische, die ist ganz in der Naehe unseres Wohnheimes), waere es fuer uns natuerlich praktischer, wenn wir mehr im Zentrum wohnen wuerden.

Mal sehen, was sich da noch so ergibt. Im Grossen und Ganzen kann man sagen, dass die Touristenmeile wirklich einen Blick wert ist. Kommt man weiter raus, sieht es eher aus wie in Polen. Viele unrenovierte Wohnungen, Platten, alte Leute. Es gibt viele Bettler und viele Betrunkene, die ueber die Buergersteige schwanken. Muss man sich halt dran gewoehnen!